Raccoursier Anne-Julie

26. April bis 24. Mai 2009
Raccoursier Anne-Julie___Crazy Horse

Unlike numerous artists of her generation who use and abuse endless citations, reproductions and remakes of the past in their works, Anne-Julie Raccoursier has a veritable personality. „I do not want to be a tourist of the past but of the present, and possibly of the future.“ The works of Anne-Julie Raccoursier are characterized by humour sometimes syrupy, sometimes corrosive. She is very interested in contemporary issues such as differences between genders, identity, entertainment culture and its rituals, and the art of displacement. For o.T. Raum für aktuelle Kunst, the artist presents an all new project realised specially for the site, „Crazy Horse“. It‘s not about the Sioux chief, Crazy Horse, victorious of one of the last major battles against American troops at Little Big Horn, which ended to the death of General Custer and many of his men. But about „Chica Frivola“ et „Couleur de l‘amour“, two horses which broke down both physically and mentally and which give themselves fitness sessions.

Seit einigen Jahren ist die junge Westschweizer Künstlerin, die an der Ecole Supérieure d‘Arts Visuels in Genf und am California Institute of the Arts in Los Angeles studierte, mit ihren präzise inszenierten Videoarbeiten aufgefallen.


„Noodling“ betitelt die 1974 in Lausanne geborene Künstlerin Anne-Julie Raccoursier ihr knapp acht Minuten langes Video aus dem Jahr 2006, mit dem sie in der Ausstellung „Shifting Identities“ 2007 im Kunsthaus Zürich prominent hervortrat. In diesem Video folgen jungen Männer der Musik eines Luftgitarrenwettbewerbes, imitieren die grossen Vorbilder der Rockmusikgeschichte in Mimik und Gestik – nur ist die Musik nicht zu hören, werden die Bilder in der Slow Motion zu schmerzhaft anzuschauenden Körperstudien.
Für „Grace-Notes“ (2005) erhielt sie im darauf folgenden Jahr den Eidgenössischen Preis für Kunst. Dafür filmte sie die Herstellung einer amerikanischen Flagge in einer Fabrik in Pennsylvania, eine der wenigen Produzenten von Fahnen, die noch in den USA tätig ist. Zu sehen sind Arbeiterinnen unterschiedlicher kultureller und ethnischer Herkunft, die bei ohrenbetäubendem Lärm und im Akkord hunderte von Fahnen nähen – dazu ist ein kurzer Text zu lesen: „When you buy an American flag“ You wouldn‘t like to see a tag on it with the mention „Made in China“. Anne-Julie Raccoursiers Video ist ein gleichermassen überraschender wie bissiger Kommentar zum Umgang mit den Stars and Stripes, die nicht erst seit dem 11. September in der amerikanischen Kunst als wiederkehrendes Motiv auftauchen bzw. als Symbol dekonstruiert werden. Nie zuvor jedoch wurde dieses Symbol als simples Produkt hinterfragt. Immer wieder gelingt es der Künstlerin mit raffinierten visuellen Setzungen, die Mächtigkeit medialer Bilder präzise zu hinterfragen und in neuen Sinnzusammenhängen zu sehen.