Achermann Lea

15. November bis 7. Dezember 2008
Achermann Lea___Unknown. Portraits

 

Lea Achermann, 1964 in Altdorf geboren, studierte bildende Kunst an der HGK Luzern und der Academie voor beeldende kunst en vormgeving in Enschede (NL).
Die Arbeit Lea Achermanns bewegt sich zwischen Malerei, Zeichnung, einzelnen Objek-ten und raumfüllenden Installationen. Sie wandert souverän auf dem Grat zwischen Realität und Imagination, spielt mit der Erinnerung an Vertrautes und hebt die Wirklichkeit gleichzeitig aus den Angeln, indem die Künstlerin das Körperliche ironisch verfremdet….
Barbara Zürcher, Haus für Kunst Uri

Lea Achermann präsentiert im o.T. Raum für aktuelle Kunst unter dem Titel „Unknown. Portraits“ eine Serie von gemalten Porträts. Ein Mädchen mit weissem Schleier, ein lächelnder Junge mit Pullover, ein alter Mann mit goldener Mütze, ein Junge in Uniform…Die in abendländischer Manier in Öl gemalten Bildnisse sind der Versuch einer würdevollen Darstellung dieser Porträtierten. Denn sie alle sind Zeitungsbildern entnommene Personen, deren Namen nicht genannt wurden.


Die jeweiligen Bildlegenden geben einzig Aufschluss über die Gegend, in der diese Menschen leben, und über den Anlass der Fotografie: eine Katastrophe, ein Krieg, ein (meist schlimmer) Sachverhalt, von dem eine Vielzahl von Personen betroffen ist. Die Abgebildeten dienen der Illustration dieser Tatsachen. Sie sind Weltstatisten, gesehen aus westlicher Perspektive. Die Künstlerin hat diesen Statisten eine Solobühne erstellt und ist bei der malerischen Umsetzung in einen intimen Dialog mit den Abgebildeten getreten. Auf diese Weise wurden diese Menschen aus der anonymisierenden Zeichenhaftigkeit herausgelöst und begegnen nun den BetrachterInnen als starkes Gegenüber.

Die traditionelle ästhetische Form dieser Porträts steht inhaltlich wie medial im krassen Gegensatz zur Schnelllebigkeit eines Zeitungsfotos. Auf der einen Seite wird die Wahrheit und Realität – der Informationstransfer – einer Zeitung behauptet. Und auf der anderen Seite steht die Langsamkeit, aber auch Zärtlichkeit einer veralteten Darstellungstechnik, deren Wirkung gänzlich von der Fertigkeit und Zuwendung der Malerin abhängt. Mit den schweren Goldrahmen erhalten diese Bildnisse eine zusätzliche Veredelung, die auf eine museale Würdigung hinweist oder zumindest eine Gewichtung in unserer Wahrnehmung reklamiert.

www.leaachermann.ch