Labis Sabrina

8. März bis 7. April 2018
Sabrina Labis___Personal Color Correction

Die in Berlin lebende Künstlerin Sabrina Labis (*1990) setzt sich in der Ausstellung Personal Color Correction mit Arbeitsabläufen (sog. Workflows) und Konventionen digitaler Bildproduktion auseinander. In dem gleichnamigen Video blickt sie auf die Anfänge der Filmgeschichte zurück und beleuchtet assoziativ die Schnittstelle von analogen und digitalen Techniken der Farbgebung und Farbkorrektur in der Filmproduktion. Der Ausgangspunkt des Videos ist die Arbeit der Film Koloristin, ein damals ausschliesslich von Frauen ausgeübter Beruf innerhalb professioneller analoger Filmproduktionen. Diese Video-Hommage an die Farbpionierinnen „korrigiert“ subjektiv und persönlich die männlich dominierte Geschichtsschreibung im Film.

Mit der Entwicklung der Filmtechnik und der Digitalisierung wurde die Arbeit des Kolorierens durch Maschinen ersetzt und die Farbkorrektur von Filmen wird mit Hilfe einer spezialisierten Colorgrading Software (z.B. DaVinci Resolve) durchgeführt. Computer und ihre Applikationen produzieren hierbei nicht nur neue oder alte Farben und Bilder, sondern auch Werte. Diese Werte gestalten Weltbilder und Identitäten mit. Unter diesem Gesichtspunkt versteht Sabrina Labis die Soft- und Hardware, derer sie sich auch selbst bedient, als Material um über Wertesysteme, Geschlechterverhältnisse, Infrastrukturen und konventionelle Arbeitsabläufe nachzudenken. Das Neon Schriftbild Studio (2017) nimmt in diesem Zusammenhang Bezug auf Arbeits- und Produktionsorte. Die Bedeutung des Wortes Studio kann je nach Arbeitsfeld variieren; vom künstlerischen Studio (Atelier) über das Ton- und Filmstudio bis hin zum Kosmetik- und Massagestudio. In der Arbeit Soft Skills (2017) vergegenständlicht die Künstlerin soziale Kompetenzen in greifbare Objekte aus Ton. Cookies (2018) verbindet collageartig Text- und Bildelemente in Polyesterbannern. Die Farbkorrektur Software DaVinci Resolve, stellt Sabrina Labis dabei Ultra HD Make-Up gegenüber. Dass der Werbetext über dem Makeup zur DaVinci Resolve Software gehört, erkennt man erst auf den zweiten Blick. Point 1-4 (2017) stellt auf malerische Weise die Frage nach der Messbarkeit eines Punktes. Aus der Serie Andy (2016) stammend, manipulierten Silbershampooflaschen gegen gelbstichige Haare, steht der bläuliche Farbpunkt exemplarisch für Künstlerrankings und die Algorithmen des Kunstmarktes.
Neben der Aufforderung, die eigenen Denkmuster zwischen realen und virtuellen Räumen zu hinterfragen, lassen die multimedialen Collagen von Sabrina Labis das Publikum in poetische Bildwelten eintauchen, in der die Grenzen zwischen Digital und Analog verschwimmen.

Barbara Ruf