Buss Anna-Tia

24. August – 21. September 2019

♀ – Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen mit Anna -Tia Buss, Alina Kopytsa, Muda Mathis und Sus Zwick, Maura Wittmer, Shannon Zwicker

Das gemeinsame Ausstellungsprojekt von o.T. Raum für aktuelle Kunst und PTTH://präsentiert sechs Künstlerinnen aus verschiedenen Generationen, deren Arbeitensich im Diskurs um feministische Themen verorten lassen. Dabei möchte die Ausstellungfrauenspezifische und politische Fragen aufwerfen und zur Diskussion stellen:Es geht um Künstlerinnen, aber auch um Ausstellungsmacherinnen, Galeristinnen,Kunstkritikerinnen, Kunsthistorikerinnen, kurz – um Frauen in der Kunst.

Anna-Tia Buss

Der weibliche Körper und das Konzept von Schönheit und ästhetischer Perfektion gehen in unserer Gesellschaft oftmals noch immer Hand in Hand. Er ist Objekt bestimmter Erwartungen und Ansprüche, sei es von Seiten der Gesellschaft, des persönlichen Umfelds, aber auch in der Beziehung der Frau zu ihrem eigenen Körper. Historisch gesehen hat der männliche Blick die Wahrnehmung und Darstellung der Frau stark geprägt und dem weiblichen Körper ästhetische Kriterien auferlegt. Die fotografisch-dokumentarische Arbeit „I never realized“
von Anna-Tia Buss ist ein fortlaufendes Projekt, das als Blog existiert.

„I never realized“ ist ein sich kontinuierlich weiterentwickelndes Archiv an Frauen-Geschichten, Geschichten der komplexen Beziehung zum eigenen Körper, an der Grenze zwischen Selbstbewusstsein und Akzeptanz. Es sind Geschichten von Frauen aus dem Umfeld der Künstlerin, aber auch von Frauen, die sie im Hinblick auf das Projekt über Facebook-Gruppen kennengelernt hat. In persönlichen Treffen zeigte sich, dass oftmals eine Bemerkung von Aussen eine veränderte Körperwahrnehmung auslöste – beispielsweise als die Frauen vielleicht von der Großmutter, einer Freundin, einer Schwester oder einer anderen Person auf einen Makel hingewiesen wurden, der ihnen noch nie aufgefallen war. In der Ausstellung stehen die sorgfältig inszenierten fotografischen Porträts der Künstlerin im Kontrast zu den Polaroids, in denen die Frauen ausgewählte Körperstellen bewusst in Szene setzen. Was wir oft für uns behalten, wird nun plötzlich sichtbar und öffentlich gemacht. Im Kollektiv, erhält die einzelne Stimme Gewicht, im Kollektiv wird das Private politisch. So ist die Arbeit auch als Kritik und Forderung zu lesen, oder wie die Künstlerin selbst über das Projekt sagt: A collective voice on the tyranny of beauty.